Heimstaden macht sich vom Acker: Für Mieter:innen nur noch per App erreichbar
„Ein Wohnungsunternehmen trägt Verantwortung für seine Liegenschaften und insbesondere für die Menschen, die darin wohnen. Indem Heimstaden in Hamburg weder persönlich noch telefonisch oder per E-Mail zu erreichen ist, nur noch per Post oder über das Onlineportal, stiehlt sich das Unternehmen aus dieser Verantwortung“, kommentiert Paul-Hendrik Mann, Berater beim Mieterverein zu Hamburg.
Der schwedische Wohnungskonzern Heimstaden schießt bei der Digitalisierung über das Ziel hinaus und macht sich zunehmend unerreichbar für seine Mieter:innen. Vor wenigen Wochen wurden in den Mietshäusern des Konzerns die Aushänge mit den Kontaktdaten der Verwaltung ausgetauscht. Übrig blieb nur ein QR-Code zu dem Onlineportal @MyHome und eine Notfallnummer für Havarien. Alle anderen Telefonnummern und E-Mail-Adressen wurden abgeschaltet.
„Ein Wohnungsunternehmen trägt Verantwortung für seine Liegenschaften und insbesondere für die Menschen, die darin wohnen“, kommentiert Paul-Hendrik Mann, Berater beim Mieterverein zu Hamburg, diesen Schritt. „Indem Heimstaden in Hamburg weder persönlich noch telefonisch oder per E-Mail zu erreichen ist, nur noch per Post oder über das Onlineportal, stiehlt sich das Unternehmen aus dieser Verantwortung.“
Besonders bemerkenswert ist, dass Heimstaden seinen Mieter:innen mitteilt, Guthaben aus Nebenkosten würden nur erstattet, wenn über das Onlineportal die Bankverbindung bestätigt würde. „Dabei kennt das Unternehmen die Kontonummern seiner Mieter:innen seit Jahren“, stellt Marc Meyer, Berater beim Verein „Mieter helfen Mietern“, klar und ergänzt: „Hier soll den Mieter:innen die Nutzung einer Software aufgezwungen werden. Das ist mietrechtlich nicht zulässig und begegnet datenschutzrechtlichen Bedenken.“
Als Reaktion auf das Gebaren ihres Vermieters ruft die Mieter:innen-Initiative StopHeimstaden zur Unterzeichnung einer Petition auf, die ein Recht auf Leben ohne Digitalzwang fordert: https://civi.digitalcourage.de/recht-auf-leben-ohne-digitalzwang
In der in Berlin gegründeten Initiative StopHeimstaden haben sich auch Mieter:innen aus über 20 Heimstaden-Liegenschaften in Hamburg vernetzt. Es findet ein regelmäßiger Austausch über die bestehenden Missstände und Abhilfemöglichkeiten statt.
So weist StopHeimstaden auch darauf hin, dass Mieter:innen ensprechend der DSGVO das Recht auf Datenlöschung haben, d.h. auch auf die Löschung der Mieter:innen-Daten im Onlineportal @MyHome. Auch früher gegebene Zustimmungen zur Datenspeicherung und Verarbeitung können von Mieter:innen jederzeit widerrufen werden. StopHeimstaden: „Wir empfehlen allen Mieter:innen diese Aufforderung zur Datenlöschung per Briefpost an Heimstaden und den Heimstaden Datenschutzbeauftragten zu senden.“
„Heimstaden muss jetzt umgehend reagieren und sich persönlich und telefonisch erreichbar machen“, fordert Mieteranwalt Marc Meyer. Sein Kollege Paul-Hendrik Mann ergänzt: „Mieter:innen, denen ein Guthaben aus der Nebenkostenabrechnung zusteht, sollten sich beraten lassen, wie sie ihr Geld über eine Verrechnung mit laufenden Mieten bekommen.“
Pressekontakte
Mieterverein zu Hamburg
Ansprechpartner: Paul-Hendrik Mann, 0163 1765895, p.mann@mieterverein-hamburg.de
Mieter helfen Mietern – Hamburger Meiterverein e.V.
Ansprechpartner: Marc Meyer, 0151 11065062, marc.meyer@mhmhamburg.de
Mieter:innen-Initiative StopHeimstaden
presse@stopheimstaden.org
Pressemitteilung zum Herunterladen
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